👹 Google zerstört das Internet – eine Geschichte über Korruption und Profitgier

Jeder SEO kennt das Problem: man erstellt Inhalte, doch leider liest sie keiner. Warum? Weil Google sie partout schlecht platziert – Qualität hin oder her. Google ist der Herrscher über Traffic. Wie ein Gott gibt und nimmt es einem der Konzern. Doch leider haben sich Korruption und Profitgier mittlerweile so weitreichend eingenistet, dass damit nachhaltiger Schaden für Internet und Gesellschaft entstehen. Es bahnt sich gerade ein Netz der Reichen und Mächtigen an – und kaum einer merkt es.

Korruption bei Google?

Gesundheitsminister Spahn hat bei Google “angerufen” und darum gebeten, dass die Inhalte des staatlichen Gesundheitsportals doch bitte möglichst oben platziert werden sollen. Schön, wenn man so etwas auf dem kurzen Dienstweg erledigen kann. Daraufhin hat Google den Algorithmus zu wichtigen Keywords rund um Corona zugunsten der staatlichen Behörden umgeschrieben. Einem Portal das natürlich überwiegend nur das schreibt, was die Politiker ihnen sagen.

Bedenklich daran ist, dass es eine Art Eingriff in die Pressefreiheit ist. Könnte der Gesundheitsminister beim Spiegel anrufen oder bei der Welt, um ihnen zu sagen, worüber sie berichten sollen? Oder dafür sorgen, dass sie doch bitte Informationen verbreiten, die nicht die Arbeit der Regierung kritisieren? Zahlreiche Medien haben diese Aktion mit Bedenken aufgegriffen:

Das soll nicht heißen, dass das Herr Spahn alles falsch macht. Das kann ich gar nicht beurteilen. Und ja, es gibt Spinner und Verschwörungstheoretiker, die am besten keine Reichweite erhalten. Daher ist es nicht schlecht, wenn seriöse Seiten das Netz dominieren. Aber die Methode ist sehr grenzwertig.

Interessiert mich hier aber eher weniger. Es geht immerhin um Google. Was haben die davon?…

Google hat sich natürlich darauf eingelassen. Warum eigentlich? Angesichts der vielen bisherigen Strafen und den vielleicht noch drohenden Verfahren wegen Datenschutz-Angelegenheiten und des Missbrauchs der Monopolstellung ist es sicher nicht von Nachteil, wenn man einen Stein im Brett hat bei der Bundesregierung. Und wie es aussieht, werden sie die nächste Wahl gewinnen. Das heißt, in wichtigen EU Gremien werden die gleichen Leute sitzen und ihren Einfluss geltend machen können. Eine Hand wäscht dann wohl die andere.

Natürlich wurde von Google betont, dass keine Gegenleistung gefordert wurde. Aber ich habe auch in Firmen gearbeitet, die viel Lobbyarbeit betreiben mussten. Und in solchen Angelegenheiten wird immer gelogen. Beziehungsweise wird eher ganz einfach nie direkt etwas fix auf dem Papier vereinbart. Gerade, um dann sagen zu können: “War alles freiwillig und unverbindlich”. Ist in dem Fall ja nicht einmal gelogen. Festzuhalten ist: Google schreibt den Algorithmus einfach um, wenn nur jemand “nett” genug bittet – egal wie der Content sonst abschneiden würde.

Aus meiner Sicht wäre es sauberer gewesen zu sagen: Niemand wird bevorzugt. Allerdings werden, wie bei Facebook und Twitter, Inhalte aus den Rankings entfernt, die erwiesenermaßen lügen und Volksverhetzung betreiben. So würden sich die Inhalte des Staats im Wettbewerb mit den kritischen Stimmen ihren Platz verdienen müssen.

Neben diesem grenzwertigen Vorgang ist mir als SEO aber noch etwas anderes aufgefallen. Ein Trend, den man nur sieht, wenn man solche Dinge über Jahre verfolgt.

 

Der Algorithmus bevorzugt die “Reichen”

Unter SEO Experten wird immer wieder diskutiert, welche Faktoren wohl dazu führen, dass man bei Google für bestimmte Suchbegriffe gut platziert wird. Immer wieder kommen neue dazu, es fallen welche weg, oder sie werden neu gewichtet. Was jedoch immer wieder auffällt ist, dass Backlinks weiterhin die treibende Kraft bleiben.

Kurz für Laien erklärt: Wenn Herr A eine gute Seite erstellt zum Thema “Astrologie” und Herr B eine viel schlechtere Seite macht, dann sollte die von A in der Google-Suche vor dem Projekt von B rangieren. Da B jedoch ein paar Kleinunternehmer kennt, die alle von ihrer Firmen-Webseite auf seine Web-Seite verlinken, dann wird B von Google besser platziert.

Genau hier liegt das Problem: Backlinkaufbau. Was soll ich sagen, ich verdiene mein Geld damit. Daher sehe ich die Hintergründe. Firmen aller Art kaufen mittlerweile regelmäßig Backlinks. Sie geben jeden Monat viel Geld dafür aus. Je härter umkämpft das Thema, umso mehr ist es. Solche Beträge kann sich kein normaler Blogger oder Seitenbetreiber leisten. Daher wird die Websuche in immer mehr Bereichen von Großkonzernen dominiert: Ernährung, Finanzen, Gesundheit, Technik, Auto – Hier haben nur noch die reichen Firmen eine Chance. Sie kontrollieren den Markt für Informationen auf diesem Gebiet. Sie sagen was richtig ist und was falsch.

Ein weiterer Nebeneffekt ist, dass neue Seiten eigentlich gar keine Chance mehr haben sich in bestimmten Märkten zu etablieren. Wie soll das gehen, wenn man der Logik des Algorithmus folgt? Eine neue Seite hat keine Backlinks. Sie tritt an gegen Seiten, die teilweise schon seit 5, 10 oder auch 20 Jahren aktiv sind und die von Anfang an Backlinkaufbau betrieben haben. Es ist also eine Art Bestandsschutz vorhanden, die sich aus einem uneinholbaren Vorsprung speist.

Ein weiteres Problem ist technischer Natur. Responsives Design und Ladegeschwindigkeit – das A und O in der heutigen Zeit. Sie sind zu wichtigen SEO Faktoren geworden. Google stellt mit dem Pagespeed-Test von Lighthouse immer neue Anforderungen an Webmaster.

 

Man optimiert mühsam die Ladezeiten einer Seite. Ein paar Monate später werden aber noch härtere Anforderungen gestellt. Jetzt bin ich ja lange genug im Geschäft dabei. Aber an diesem Punkt erreiche ich dann auch meine Grenzen. Java, PHP und CSS – keine Ahnung davon. Also müsste ich jetzt jemanden bezahlen, der jeden Monat oder jedes Quartal die Technik meiner Web-Projekte optimiert. Auch das können viele Blogger und Webmaster nicht mehr abdecken. Zahlungskräftige Firmen dagegen beschäftigen Experten, die sich ständig darum kümmern.

Es bahnt sich aktuell eine echte Gefahr für das Internet an. Großkonzerne erobern die wichtigsten Keywords zu wichtigen gesellschaftlichen Themen. Einfach deshalb, weil vermehrt nur sie sich die Kosten für Backlinks und technische Maßnahmen leisten können. Ohne sie geht bei Google nichts mehr.

Kleine Seitenbetreiber sollen gefälligst bezahlen, wenn sie in der Suche noch präsent sein wollen. Und damit kommen wir zum dritten Punkt: Profitgier

 

Profitgier – warum Google SEO so sehr hasst

Ich hatte mal eine Zeit, da wollte ich sinnvolle Beiträge für das Web schreiben und echten Traffic von Google bekommen. Dafür habe ich alle “Vortschriften” beachtet:

  • Aufwändige Recherche
  • Ausführliche Artikel
  • Bilder erstellt für eine bessere Verständlichkeit
  • Video für YouTube erstellt, eingefügt und verlinkt

Ein Musterbeispiel dafür war dieser Artikel, wo ich das Thema Geldwäsche erkläre. Warum das? Weil ich als Finanzexperte Ahnung davon habe und weil ich das Keyword auf Traffic analysiert habe. Es schien eine gute Möglichkeit, um ordentlich Besucher an Land zu ziehen.

Wie funktioniert Geldwäsche? – einfach erklärt

Anfänglich lief er wie eine Bombe. Platz 1 im Ranking für “Geldwäsche Erklärung“. Er lieferte massiven Traffic und ich bekam meine regelmäßigen Einnahmen von der VG Wort. Hier der Verlauf über die Jahre zu sehen:

  • erschienen im Juni 2016..
  • schöpfte er sein volles Ranking Potenzial im Juli 2017 aus
  • dann setzt ein Bruch im Januar 2018 ein, der Traffic halbiert sich
  • ab September 2018 geht es dann nochmals um die Hälfte herunter
  • mittlerweile ist der Artikel komplett tot

Man könnte jetzt denken es ist das Gejammer eines Bloggers, der um seinen verlorenen Traffic weint. Aber da steckt mehr dahinter. Google sagt, dass wir guten Content erstellen sollen. Der Algorithmus würde gute Inhalte erkennen und dann nach Vorne spülen. Das hat er gemacht. Mein Content war ja offensichtlich gut und wurde genau deshalb über Monate hoch geschoben. Und dann kommt ein Update und mein Content ist plötzlich Scheiße? Wie soll denn das passiert sein? Und beim nächsten Update ist er noch schlechter? Lächerlich.

Mit meiner Erfahrung bin ich nicht allein. Nach jedem solchen Update wird unter SEO Leuten massiv diskutiert, was passiert ist. Der Trend geht immer dahin, dass Google Seiten bevorzugt, die eine Art Marke sind und dadurch Trust mitbringen. Content ist also offensichtlich nur Nebensache. Viele seriöse SEO´s beklagen sich über unerklärliche Einbrüche.

Meine Vermutung ist jedoch eine andere: Der Internetgigant wirbelt die Rankings immer wieder ganz gezielt durch. Einfach aus dem Grund, damit all die vielen SEO Experten auf der Welt sich nicht auf ihre Methoden verlassen können. Google hasst SEO. SEO hält nämlich Webmaster davon ab viel Kohle in SEA zu investieren. Also dafür zu bezahlen, dass sie oben stehen in der Suche. Deswegen wird ein Klima geschaffen, in dem permanente Unsicherheit erzeugt wird. Ständig werden Regeln verändert und die Schwerpunkte verschoben.

Für kleine Blogger wie mich zeichnet sich dabei ein Trend ab: es geht bei meinen Seiten schon immer bei jedem Update nach unten. Immer wieder werden einzelne, gute Artikel quasi aus dem Verkehr gezogen. Und immer sind es danach die großen Portale, die bei solchen Umstellungen am meisten profitieren.

 

Fazit

Geld verdienen wollen wir alle, das ist das gute Recht einer jeden Person und einer jeden Unternehmung. Die Frage dabei ist nur wie. Google hat durch seine Monopolstellung eine besondere gesellschaftliche Verantwortung. Meiner Ansicht nach wird ihr der Konzern absolut nicht gerecht. Daran wird sich wohl nichts mehr ändern, jetzt wo Google und Herr Spahn so dicke Kumpel sind.

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